Geschäftsfeld Fußball

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Dino
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Re: Geschäftsfeld Fußball

Beitragvon Dino » 04.12.2016 13:46

„Football Leaks“ hat massenhaft Dokumente abgefischt, die die z. T. höchst dubiosen Modelle erkennen lassen, mit denen Spitzenverdiener aus dem Bereich Fußball Steueroptimierung bzw. –umgehung betreiben.

Wem es um mehr geht, als um Skandalgeschichten rund um prominente Namen (Messi, Ronaldo, Özil, Mourinho, …), für den ist eher interessant, dass für die Öffentlichkeit zumeist im Verborgenen agierenden Hintermänner das große Geldgeschäft lenken und dass sich Strukturen sich dafür herausgebildet haben, die sehr nach Geldwäsche riechen. Die Namen der Hintermänner kann man in der Presse nachlesen (u. a. im Spiegel, der gleich eine ganze Artikelserie zum Thema Geld, Steuerkorruption und Fußball aufgelegt hat). Die Strukturen kennt man prinzipiell spätestens seit der Veröffentlichung der „Panama Papers“. Der Handel mit "Bildrechten" (Weberechten), Briefkasten-Firmen in karibischen Steuerparadiesen, vorgeschaltete Agenturen im EU-Steuerparadies Irland, Konten bei Privatbanken in der Schweiz. Und wer noch schlauer sein will, bringt noch eine Stiftung in Neuseeland in das auf Verschleierung angelegte Konstrukt ein.

Schön ist es nicht, nun im Detail vorgeführt zu bekommen, wie Multimillionäre (im Vermögen, wie im Einkommen) den Hals nicht voll bekommen können und dabei auch vor Strategien nicht zurückschrecken, die sie mit dem (Steuer-)Strafrecht Bekanntschaft schließen lassen. Es kotzt einen vielmehr an.
Der Steueroptimierer Messi wurde in Spanien bereits zu 21 Monaten Haft (wohl noch nicht rechtskräftig) verurteilt. Mit weiteren Urteilen gegen Fußball-Prominente ist zu rechnen. Einige konnten der Strafverfolgung durch Nachzahlung ihrer Steuern plus saftiger Zuschläge gerade noch entgehen. Trockengelegt ist der Sumpf damit noch längst nicht. Man fängt mit der ernsthaften Aufarbeitung vielmehr gerade erst an.
Nun darf man sich in einer Zeit aber, wo längst bekannt ist, wie Hedge-Fonds, Banken, Autohersteller, internationale Sportverbände und so weiter vor lauter Gier in kriminelle Machenschaften abgerutscht sind, nicht mehr groß darüber verwundert oder überrascht zeigen, dass diese Gier auch um den Fußball keinen Bogen macht.

Fragen sollte man sich aber, ob mit den Strukturen, die die Flüsse des Geldes organisieren und anheizen , eine neue Qualität der Korrumpierung des Fußballs entstanden ist. Eine Korrumpierung, bei der etwa außenstehende Dritte (mit)bestimmen, welche Spieler eines Vereins (in diesem oder jenem Spiel) aufgestellt werden oder eben nicht. Dass das weitgehend von Hintermännern beherrschte Transfersystem eine unter rechtlichen und moralischen Aspekten höchst verdächtige und dubiose Angelegenheit ist, weiß man schon seit einiger Zeit. Wie hoch der Einfluss der im Hintergrund agierender Geschäftsbesorger aber tatsächlich ist, welche Abhängigkeiten von Vereinen und Spielern tatsächlich bestehen und welche Konsequenzen sich daraus ergeben, bzw. in konkreten Fällen nachweisen lassen, das ist ein Fragenkomplex, zu dem man sich durchaus ein Mehr an Aufklärung wünschen möchte.

Ich werde das Thema weiter verfolgen und mich sicherlich hier demnächst erneut dazu melden.
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Re: Geschäftsfeld Fußball

Beitragvon Kridde » 26.01.2017 12:12

http://www.kicker.de/news/fussball/intligen/startseite/669657/artikel_marketing-deal_real-madrid-entfernt-kreuz-von-wappen.html

Für einen stärkeren Absatz von Fanartikeln im arabischen Raum nimmt Real Madrid offenbar eine Änderung des Vereinswappens in Kauf: Ein kleines Detail an der königlichen Krone wird entfernt!

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Ggaribaldi
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Re: Geschäftsfeld Fußball

Beitragvon Ggaribaldi » 29.06.2017 07:05

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Re: Geschäftsfeld Fußball

Beitragvon Blaue Elise » 29.06.2017 11:08

Die haben mich als Aushilfe eingestellt, ich bin da die kleinste Nummer und Heinz Wäscher guckt mich mit dem Arsch nicht an! (Peter Schlönzke)

Gegen den modernen Fangesang!

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Re: Geschäftsfeld Fußball

Beitragvon Ggaribaldi » 29.06.2017 13:15

http://www.kicker.de/news/fussball/2bundesliga/startseite/700538/artikel_lilien-verschenken-dauerkarten-an-einkommensschwache.html
Lilien verschenken Dauerkarten an Einkommensschwache

Wie schon im Vorjahr geht der SV Darmstadt 98 auch in der Saison 2017/18 mit einem außergewöhnlichen Projekt an den Start: Die Lilien verschenken Dauerkarten an einkommensschwache Menschen und ermöglichen diesen einen kostenfreien Zutritt zum den Heimspielen am Böllenfalltor.
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Re: Geschäftsfeld Fußball

Beitragvon Senf » 01.08.2017 13:27

96-Aufsichtsrat votiert für Übernahme durch Kind
Präsident Martin Kind hat auf dem Weg zur geplanten Übernahme von Fußball-Bundesligist Hannover 96 die letzte große Hürde genommen. Der Aufsichtsrat der Niedersachsen stimmte am Montagabend den Plänen zu, die entscheidenden Anteile am Verein an den Unternehmer abzutreten. Damit ist der Abschied von der "50+1"-Regel beim Aufsteiger faktisch vollzogen. "Hannover 96 e.V. wird gemeinsam mit Martin Kind und der Hannover 96 GmbH & Co. KGaA bei der DFL einen Antrag auf Erteilung einer Ausnahmegenehmigung von der sogenannten 50+1-Regel stellen. [...]

http://www.ndr.de/sport/fussball/96-Aufsichtsrat-votiert-fuer-Uebernahme-durch-Kind,hannover12298.html
>>unsere Existenzen sind reine Unterhaltungsmechanismen...<<

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Re: Geschäftsfeld Fußball

Beitragvon Kridde » 01.08.2017 14:28

Senf hat geschrieben:
96-Aufsichtsrat votiert für Übernahme durch Kind


Kinder an die Macht!

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Re: Geschäftsfeld Fußball

Beitragvon Soccer_Scientist » 01.08.2017 14:37

Mal sehen, was passiert, wenn RB Leipzig in die HDI-Arena kommt.
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Re: Geschäftsfeld Fußball

Beitragvon foley_artist » 02.08.2017 13:53

Ermittlungen im Umfeld der Robert-Enke-Stiftung

Die Stimme der Frau in Schwarz zittert, bricht, wird fast vom Klacken der Kameras übertönt. „Wir dachten auch, mit Liebe geht das, aber man schafft es doch nicht immer.“ Es ist der 11. November 2009, 13.09 Uhr, als Teresa Enke diesen Satz sagt. Sie spricht über den Suizid ihres Mannes. Robert Enke hatte sich einen Tag zuvor das Leben genommen. Der Fußballprofi war depressiv. Seit 2004 hatte er nach kurzen Stationen in Lissabon, Barcelona, Istanbul und Teneriffa bei Hannover 96 gespielt. In der niedersächsischen Landeshauptstadt war er heimisch geworden.

Enke war ein Vorbild, klug, unaufgeregt und souverän. 2007 wurde er bei Hannover 96 Mannschaftskapitän. Ein Kapitän, der, wie seine Frau später sagte, die Mannschaft lange zum Überleben brauchte. 2008 wurde er Nationaltorhüter. Die Bestürzung über seinen Tod ein Jahr später war groß. Nach der Stille kam das Nachdenken. Etwas musste sich im Fußball ändern. Bei den Profis und bei den Amateuren.

Der damalige Präsident des Deutschen Fußball-Bunds (DFB), Theo Zwanziger, sagte auf der Trauerfeier im Stadion in Hannover: „Maß, Balance, Werte wie Fair Play und Respekt sind gefragt in allen Bereichen des Systems Fußball bei den Funktionären, bei den Klubs, beim DFB“. 40.000 Menschen saßen auf den Tribünen. Die Fußballnationalmannschaft kündigte in einem Schreiben wenige Tage später an, sich dafür einzusetzen, dass „Vorurteile und Stigmatisierungen im Fußball keinen Platz haben.“

Am 15. Januar 2010 gründeten der DFB, die Deutsche Fußball-Liga (DFL) und Hannover 96 die Robert-Enke-Stiftung. Sie finanziert sich über Spendengelder. Die Stiftung widmet sich dem Andenken des Torhüters. Sie fördert unter anderem Projekte, die sich mit dem Krankheitsbild der Depression oder Kinder-Herzkrankheiten beschäftigten. Enkes Tochter war 2006 an einem angeborenen Herzfehler gestorben. Enkes Witwe Teresa ist die Vorstandsvorsitzende der gemeinnützigen Initiative.
Große Ideen klein gemahlen

Seit dem Gründungsjahr, an dessen Ende das Vermögen der Stiftung schnell auf fast eine Million Euro anwuchs, haben die Verantwortlichen viel erreicht: So wird etwa das im gleichen Jahr von der Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde gegründete Referat „Sportpsychiatrie und -psychotherapie“ unterstützt, das vom Uniklinikum Aachen koordiniert wird. Ein qualifiziertes Netzwerk aus Psychiatern und Psychotherapeuten wurde aufgebaut, das „heute rund 70 aktive Mitglieder“ zählt.

Die Stiftung informiert am Rande von Bundesligaspielen und auf Vorträgen über das Thema Depression und unterstützt Betroffene wie den ehemaligen Bundesligatorwart Markus Miller. Seit Oktober 2016 gibt es zudem die „EnkeApp“, die konkrete Hilfsangebote für Betroffene bietet und einen Notruf-Button für Suizidgefährdete enthält.

Kurz: Die Stiftung ist ein Leuchtturmprojekt. Eines mit dem sich nicht nur die im Vorstand versammelte Fußballprominenz von DFB und DFL schmückt. Der DFB spendete 2015 und 2016 am Jahresende jeweils 100.000 Euro. Im Kuratorium der Stiftung sitzen der Ministerpräsident von Niedersachsen, Stephan Weil (SPD) und dessen Parteifreund, Innenminister Boris Pistorius.
Robert Enke

Ausgerechnet auf dieses Leuchtturmprojekt droht nun ein Schatten aus der niedersächsischen Provinz zu fallen. Die Staatsanwaltschaft Hannover hat „wegen des Verdachts der Untreue zum Nachteil der Robert-Enke-Stiftung“ Ermittlungen eingeleitet, wie eine Sprecherin der Behörde der Berliner Zeitung bestätigte. Es wird auch geprüft, ob und gegen wen in der Stiftung vorgegangen werden muss. Denn nach einer Strafanzeige wird einem unangenehmen Verdacht nachgegangen. Kurz gesagt, lautet er: Wurden Gelder der Stiftung zweckentfremdet?

Wurden diejenigen, die im Fußball das Gute wollen, wieder mal von denen ausgetrickst, denen Siege wichtiger sind, auch wenn sie sie noch so klein ausfallen? Und haben Verbandsstrukturen dazu beigetragen, dass große Ideen kleingemahlen werden?
Spur führt nach Barsinghausen

Die Geschichte, wie es zu der Anzeige kam und welchen Weg sie durch die Institutionen nahm, ist bemerkenswert. Sie ist Ausdruck einer besonderen personellen und strukturellen Konstellation im niedersächsischen Landesfußball. Dessen Herz schlägt in Barsinghausen. Der Ort liegt südwestlich von Enkes alter Fußballheimat Hannover. In „Basche“, so der Spitzname der Stadt mit rund 34.000 Einwohnern, sitzen der Niedersächsische Fußballverband (NFV) und die Robert-Enke-Stiftung. Beide Institutionen haben die gleiche Anschrift: Schillerstraße 4. Und hier sitzt auch, gut fünf Kilometer entfernt, im Ortsteil Egestorf, der Fußball-Viertligist 1. FC Germania Egestorf / Langreder.

Im Sommer 2014 erfährt Andree Ullmann, Vorsitzender des Fünftligisten 1. FC Wunstorf, bei einem Gespräch über einen Spielertransfer von interessanten Beschäftigungsverhältnissen in der Stiftung. Sein Gesprächspartner ist sowohl für die Stiftung als auch für den 1. FC Germania tätig. Und für den Verband übt er auch ein Amt aus.

Gemäß Ullmanns Schilderung habe ihm dieser Mann gesagt, dass viele Spieler des 1. FC Germania bei der Stiftung angestellt seien. Und dass sie dafür aber nur sehr wenig in der Stiftung arbeiteten.

2014 tut Ullmann vorerst nichts, lässt den Verdacht ruhen, weil er dazu gebeten wurde stillzuhalten. Nachfrage der Berliner Zeitung beim damaligen Gesprächspartner. Antwort: eine solche Äußerung habe er nie getätigt. Zudem sei eine solche Aussage inhaltlich falsch. Eine weitere Nachfrage, was er damit meine, bleibt unbeantwortet.
21 Personen arbeiteten für Germania, Stiftung und Verband

Unstrittig ist, dass einige Personen im Verein Germania, der Stiftung und dem Verband Funktionen und Tätigkeiten gleichzeitig ausüben oder ausgeübt haben. Seit 2015 kursiert eine Liste auf der 21 Personen stehen, teilweise in leitenden Positionen. Einige Beispiele: Jan Baßler ist Geschäftsführer der Robert-Enke-Stiftung, Leiter des Präsidialbüros und stellvertretender Direktor beim NFV und laut Homepage Spieler bei der Regionalligamannschaft des 1. FC Germania.

Germania-Mannschaftskapitän Mirko Dismer obliegt nach einem Medienbericht die Leitung des Digitalmarketings der Stiftung. Er ist auch Projektmanager beim DFB. Manfred Finger wiederum ist Pressesprecher bei Verein und Verband.

2015 ist auch das Jahr in dem erstmals Kritik lauter artikuliert wird. Vier Vereine, darunter auch Ullmanns 1. FC Wunstorf, schreiben einen Brief an den NFV. Sie seien in Sorge um die „Unparteilichkeit des Dachverbands“. Und fordern Aufklärung über die vermeintliche Nähe der drei Organisationen zu einander und deren Angestellten. Von einer „verblüffenden Personalunion“ ist die Rede. Gefragt wird auch nach einer „besonders engen Beziehung“ zwischen Verein und der Robert-Enke-Stiftung.

Medienberichte folgen. In einem, der 2016 erscheint, äußert sich Karl Rothmund, zu den aufkeimenden Vorwürfen: Der Verband sponsere den Germania-Club nicht. Der 73-jährige Rothmund ist der Prototyp der „Personalunion“. Vor seiner Karriere beim Verband war er von 1980 bis 1986 Bürgermeister in Barsinghausen. Er ist Präsident beim Verband und Vize-Vorstandsvorsitzender und Schatzmeister der Robert-Enke-Stiftung. Und er ist laut Vereinschronik „Architekt der Fusion“, die aus dem TSV Egestorf und dem TSV Langreder 2001 den 1. FC Germania formte.

Nähe auch zwischen Sponsoren

2013 luden DFB und NFV zu offiziell zu Rothmunds 70. Geburtstag. Auf der Einladung fand sich ein Hinweis inklusive Bankverbindung: „Wenn Sie dem Jubilar eine Freude bereiten möchten, helfen Sie dem 1. FC Germania Egestorf / Langreder bei der Sanierung und dem Umbau des Sportheimes mit einer Spende.“

Eine Nähe zwischen Verband und Verein gibt es auch in punkto Sponsoren. Zwei Beispiele: Werbepartner des Vereins ist das Sporthotel Fuchsbachtal, das dem Verband über eine Beteiligungs-GmbH gehört. Ein „Premiumpartner“ des Vereins, die in Barsinghausen ansässige Werbe- und Designagentur Concepttec, gibt als Referenzen den NFV, das Sporthotel Fuchsbachtal, die NFV-eigene Sparkassen-Fußballschule an – und die Robert-Enke-Stiftung. Die Fußballschule führt auf Ihrer Website wiederum die Enke-Stiftung als Partner.

Nun ist es im Amateursport nicht unüblich und weder illegal noch verwerflich, dass ortsansässige Unternehmen ihre Heimatvereine unterstützen. Dass Spieler Jobs bekommen oder anderweitig versorgt werden, ist Alltag. Taucht in einem dieser Sponsoring- oder Förderprogramme allerdings ein gemeinnütziger Verband auf, der für den Spielbetrieb verantwortlich ist und zwingend unparteiisch sein muss, ist das, gelinde gesagt, problematisch. Eine Grenzlinie verschwimmt.

2016 fasst Karl Rothmund beim Thema noch mal nach: „Wir sind hier ja nicht bei der Fifa, wir haben Ordnung im Laden“. Damit war bei Andree Ullmann, der mittlerweile Vorsitzender des 1. FC Wunstorf ist, eine Grenzlinie überschritten. Er erstattet Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Hannover. Seine auf acht Seiten ausgebreitete Anzeige geht am 24. November 2016 – gemäß Mitteilung – bei der Staatsanwaltschaft Hannover ein. Bereits am 29. November 2016 heißt in einem Antwortschreiben der Behörde: „tatsächliche Anhaltspunkte für ein strafrechtliches relevantes Verhalten des Beschuldigten“ bestünden nicht. Ermittlungen eingestellt.

Die Bearbeitungszeit erscheint Ullmanns Anwalt Fabian Klahr sehr kurz. Am 9. Dezember 2016 legt dieser Beschwerde bei der Generalstaatsanwaltschaft in Celle ein. Nach einer erneuten Stellungnahme von Ullmann fordert Generalstaatsanwalt Frank Lüttig die Staatsanwaltschaft in Hannover auf, doch zu ermitteln. Im Fokus: Der Untreueverdacht bezogen auf die Robert-Enke-Stiftung.
Vorstand und Staatsanwalt

Eine Anfrage der Berliner Zeitung bei der Enke-Stiftung blieb bisher unbeantwortet. Der NFV teilte mit, die Stiftung sei „eine eigene juristische Person, deren Geschäftsbereich vom Niedersächsischen Fußballverband getrennt ist.“ Fragen diesbezüglich könne man daher nicht beantworten.

Die Ermittlungsakte soll zurzeit bei der zuständigen Polizeidirektion in Hannover liegen. Zu den Vorständen der Robert-Enke-Stiftung gehört auch Klaus Kukla, so weist es die Homepage der Stiftung aus. Kukla ist seit 2015 Oberstaatsanwalt in Hannover. Er sei, laut einer Sprecherin der Behörde, weder in die Ermittlungen eingebunden gewesen, noch habe er „in dem Zusammenhang Weisungen erteilt“.

Auch habe die Staatsanwaltschaft von seiner ehrenamtlichen Tätigkeit im Vorstand der Stiftung Kenntnis gehabt. Allerdings konnte Kukla von den Ermittlungen gewusst haben – wegen einer Presseanfrage zu dem Thema. Er nahm zum Zeitpunkt der Anfrage als Hauptabteilungsleiter stellvertretend die Aufgaben der Behördenleitung wahr. Sollte sich der Untreue-Verdacht erhärten, könnte gegen den Vorstand der Stiftung ermittelt werden – und damit womöglich auch gegen Kukla.

Mitarbeit: Kai Schlieter
– Quelle: http://www.berliner-zeitung.de/28096082 ©2017
Hallo i bims, ein Atmo Hopper.

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Re: Geschäftsfeld Fußball

Beitragvon Dino » 02.08.2017 19:56

Das übertrifft nun wirklich meine schlimmsten Vorstellungen von den mafiosen Strukturen beim NFV und seinem "Ziehkind" Germanis Egerstorf/Langreder.
Und dass sich diese Strukturen offenbar bis in die Staatsanwaltschaft Hannover erstrecken, ist schon erschreckend.
Ein gewisser Herr R. fühlt sich offensichtlich unantastbar. Und damit liegt er vielleicht sogar richtig.
Mehr als nur abstoßend, das Ganze!
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Re: Geschäftsfeld Fußball

Beitragvon Marco » 07.08.2017 11:47

Der SV Schwarz Weiß Ahle hat am Wochenende einen sehr guten und passenden Beitrag auf Facebook gespostet:
222 Millionen Euro für einen Spieler?

Kann man machen muss man aber nicht. Man kann auch Fan sein. Sich für 90 Euro ein neues Trikot kaufen. Für 24,99€ sein Sky Abo verlängern oder mit der ganzen Familie für ein paar hundert Euro ein Bundesligaspiel besuchen und den Millionären zujubeln.
Dabei eine 5€ Bratwurst essen und diese mit einer "Vereinskarte" bezahlen, die man vorher aufladen musste. Kann man alles machen.

Wenn man aber echten und wahren Fußball sehen möchte, dann schaut man vielleicht einfach mal wieder bei seinem Kreisligaverein um die Ecke vorbei. Dort kriegt man für wenige Euros alles was man beim Fußball braucht.
Und da ist das Geld auch deutlich besser angelegt. Denn dort träumt man von derartigen Summen. Man kämpft und bettelt um jeden Euro.
Auch dafür, damit zum Beispiel DEINE Kinder und DEINE Familie Sport treiben können und das ohne grosse Unsummen an Beiträgen.
Der Trainer macht es aus Leidenschaft und der Vorstand sitzt bis in die Nacht im Vereinsheim um ehrenamtlich dieses "Unternehmen" zu führen.

Wenn ein Spieler für 222 Millionen Euro den Verein wechselt, dann ist das einfach nicht mehr greifbar. Und Lichtjahre von der Basis und dem "echten" Fußball entfernt.

Also unterstützt den Amateurfussball.
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Re: Geschäftsfeld Fußball

Beitragvon Johann Ohneland » 05.09.2017 11:06



In der Sendung kommt für knapp eine Stunde Michael Wulzinger, einer der Autoren von Football Leaks, zu Wort und berichtet vor allem viel über die Entstehung des Buches, wie der Spiegel Fakten prüft und welche Ergebnisse sie veröffentlichen und welche nicht. Ziemlich spannend. Ansonsten ist die Sendung, wenn sie sich wie sonst um die Bundesliga kümmert, auch durch Tobi Eschers Fachwissen bereichert, der einer der zentralen Köpfe hinter spielverlagerung.de ist.
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Re: Geschäftsfeld Fußball

Beitragvon kalimera » 26.09.2017 12:54

In Sachen Germania Egestorf wird es laut dem Kicker eine Ermittlung der neu eingerichteten DFB-Ethikkommission unter Ex-Bundesminister Klaus Kinkel geben. Im Mittelpunkt: Die Tätigkeit von Jan Baßler für den NFV sowie den 1. FC Germania Egestorf/Langreder. Thema sind Ergebnisse von Kicker-Recherchen, nach denen Baßler, Leiter des NFV-Präsidialbüros, in mindestens einem Fall für seinen Verein als Manager mit einem Spieler verhandelt habe, obgleich dem NFV alle Spielerverträge in Kopie zugehen, was einen Wettbewerbsvorteil brächte. Hinzu kommt: Obwohl Baßler ab Herbst 2008 im NFV-Sporgericht saß, hatte er gleichzeitig einen bis 2010 gütligen Vertrag als Spielervermittler, der dem Kicker in Kopie vorliegt. Laut DFB-Regularien ist dies verboten. Der NFV und der DFB ziehen sich darauf zurück, dass es bis 2015 keine solche Regelung beim NFV gegeben habe. Jedoch seien vorher die FIFA-Regularien vom DFB umgesetzt worden, die dies ebenfalls untersagen. Gregor Reiter von der Spielervermittlervereinigung DFVV sieht hierin eine "klassische Interessenkollision".
Kinkel wird in diesem Fall nun tätig und forderte Stellungnahmen an. Auch bzgl. der Tätigkeit von Karl Rothmunds Sohn als Steuerberater für drei DFB-Stiftungen wird die Ethikkommission Nachforschungen anstellen.

http://www.diefussballecke.de/kloenecke/showthread.php?tid=1159

https://www.facebook.com/NepotismCounteract/photos/pcb.280732855664238/280732785664245/?type=3&theater

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Re: Geschäftsfeld Fußball

Beitragvon Soccer_Scientist » 26.09.2017 15:48

Man kennt sich,
man hilft sich
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Re: Geschäftsfeld Fußball

Beitragvon kalimera » 27.10.2017 18:51

Untreue zum Nachteil der Robert-Enke-Stiftung? Staatsanwaltschaft ermittelt wieder

Die Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen wegen Untreue zum Nachteil der Robert-Enke-Stiftung wieder aufgenommen. Ein Zeuge soll nochmal verhört werden.

http://www.sportbuzzer.de/artikel/untreue-robert-enke-stiftung-staatsanwaltschaft-ermittlungen/

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Re: Geschäftsfeld Fußball

Beitragvon Soccer_Scientist » 27.10.2017 20:58

Mein Vertrauen in den NFV ist erschüttert.
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Re: Geschäftsfeld Fußball

Beitragvon Dino » 27.10.2017 23:08

Meins jetzt auch, jedenfalls etwas.
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Re: Geschäftsfeld Fußball

Beitragvon Senf » 10.11.2017 14:57

Das Verbot der Porno-Trikots offenbart die Doppelmoral im deutschen Fußball
Mit Brüsten haben die Verbände ein Problem – mit Schmiergeld, Medikamentenskandalen und Alkoholtoten aber nicht.

https://www.vice.com/de/article/43n5gp/das-verbot-der-porno-trikots-offenbart-die-doppelmoral-im-deutschen-fussball
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Re: Geschäftsfeld Fußball

Beitragvon Senf » 24.11.2017 18:04

Wenn es um Naziklamotten geht wird offenbar auch nicht so genau hingeschaut:
Sachsen und die Neonazis: Rechter Klamottenladen sponsert Fußballklub
Es ist nicht der erste Fall, der den Sächsischen Landesverband zu überfordern scheint.

[...]
Am Donnerstag präsentierte der SV Bautzen aus der Kreisoberliga stolz seinen neuen Sponsor. Künftig laufen die Spieler mit dem Schriftzug "NRDLND" des Ladens "Nordland" auf. Der Shop aus dem Landkreis Bautzen verkauft Marken wie Thor Steinar, Yakuza oder Label 23, die vor allem in der rechtsextremen Szene und in rechten Hooligankreisen beliebt sind. Daneben gibt es Quarzsandhandschuhe – vom BGH als "gefährliches Werkzeug" eingestuft – und Mini-Boxhandschuhe mit dem Aufdruck eines Tiger-Panzers der Wehrmacht, daneben der Spruch: "Lasst die Katzen los" – ein Titel der rechtsradikalen Band Blitzkrieg.

https://www.vice.com/de/article/ne3azk/sachsen-und-die-neonazis-rechter-klamottenladen-sponsert-fussballklub
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Re: Geschäftsfeld Fußball

Beitragvon jayjay » 24.11.2017 20:56

Ich wunder mich ein wenig, dass es eine rechtsextreme Band mit dem Namen “Blitzkrieg“ gibt, wo es doch seit den frühen 80ern eine englische Band gleichen Namens gibt.
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