Geschäftsfeld Fußball

Andere Vereine, andere Ligen, andere Fans

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Dino
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Geschäftsfeld Fußball

Beitragvon Dino » 16.01.2007 13:52

Chelsea von vom russischen Magnaten Roman Abramovich so gut wie gekauft; Manchester United ganz offiziell von dem US-Milliardär Malcolm Glazer gekauft; die Hearts of Midlothian aus Edienburgh in den Händen des litauischen Magnaten Vladimir Romanov; der FC Fulham (London) im Besitz von Herrn Mohammed Al-Fayed (der ägyptische Eigentümer des Londoner Kaufhauses Harrods); West Ham United erst kürzlich von den Isländern (!) Eggert Magnusson und Björgolfur Gudmundsson gekauft; der ruhm- und traditionsreiche FC Liverpool unmittelbar vor einer Übernahme durch Scheich Mohammed bin Rashid Al Maktoum (das Staatsoberhaupt von Dubai).
Bei Borussia Dortmund so „illustre“ Aktionäre, wie der Neckermann-Erbe und Finanzinvestor Florian Homm und der türkische Waffenhändler Saadettin Saran; und Schalke 04 auf dem Weg zur Gaszprom-Filiale ...
Eine Aufzählung, die sicherlich nicht vollständig ist.

Wir haben es hier zunehmend nicht mit „fußballverrückten“ reichen Leuten zu tun, die eine Menge Geld aus anderen als rein materiellen Motiven in den Fußball stecken.
Der internationale Profifußball gerät inzwischen zunehmend unter Kontrolle von (z. T. zudem recht dubiosen) Kapitaleignern und -anlegern. Zumindest auf Sicht bedeutet das natürlich, dass der Kernbereich des Fußballs, der sportliche Wettbewerb, wirtschaftlichen Interessen untergeordnet wird. Vermarktung und Kommerzialisierung des Profifußballs dienen dann nicht mehr dem obersten Ziel, die sportliche Leistungsfähigkeit wirtschaftlich abzusichern (und zu steigern). Eine in diesem „Geschäftsfeld“ für machbar angesehene überdurchschnittliche Kapitalrendite ist das Motiv solcher Investoren, auf das alles andere, u. a. auch Sport und Tradition, ausgerichtet wird.
Wir erleben gerade, wie ein globalisierter Kapitalismus dabei ist, den Fußball zu einem seiner „ganz normalen“ Geschäftsfelder zu machen.

Ein Beispiel, wie so etwas dann auch mal laufen kann:
Der FC Bayern verkauft in der Sommerpause seine Stars und richtet sich für die nächsten 4 bis 5 Jahre darauf ein zunächst um die Plätze 8 bis 12, später dann um die UEFA-Cup-Quali zu spielen, obwohl der Verein diese Selbstbeschränkung wirtschaftlich nicht nötig hat. Aber es wird eben lieber zugunsten der Eigentümer „Kasse gemacht“.

Unvorstellbar?

Die Chicago Bulls waren in den 90er Jahren der FC Bayern des amerikanischen Basketballs. Als sich Ende der 90er die Karrieren der Lichtgestalten Air-Jordan und Scottie Pippen sowie von „Bad Boy“ Rodman dem Ende zuneigten, beschlossen die Eigentümer, die Stars zu verkaufen und nicht in die Mannschaft zu reinvestieren, sondern Kasse zu machen. Dem Club wurden mal einige magere Jahre verordnet. Das simple Kalkül war, dass die Einnahmeseite ohnehin ausgereizt war, weiterer sportlicher Erfolg daher - zumindest zeitweise - gar nicht nötig.
„Der Kampf gegen Gipfel vermag ein Menschenherz auszufüllen. Wir müssen uns Sisyphos als einen glücklichen Menschen vorstellen.“
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Beitragvon InMemoriamWernerFuchs » 17.01.2007 12:10

Andere Beispiele... Red-Bull Salzburg.

Dann gibt es noch die tolle TSG Hoffenheim die wir, wenn es schlecht läuft, bald in der 2ten Bundesliga begrüssen dürfen.

Tja, 2 Größenwahnsinnige mehr...

Übrigens steht Red-Bull kurz vor einem Einstieg bei den Chemikern aus Leutsch. Klasse Sache!

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Dino
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Beitragvon Dino » 17.01.2007 13:37

Red Bull ist ein Geschäft, das in erster Linie vom Marketing lebt; das Produkt selbst ist ja völlig trivial. Die Aktivitäten der Marke Red Bull im Fußball und im Rennsport dienen offensichtlich der Pflege des Markenimages. Geld dürfte man int diesen Bereichen dagegen kaum verdienen (wollen).

Die TSG Hoffenheim ist doch der Verein, der vom SAP-Gesellschafter Dietmar Hopp gesponsert wird. "Vadder" Hopp leistet sich das als Hobby. Dem geht es dabei nicht um Werbung oder ums Geldverdienen. M. W. steckt er auch noch einiges Geld in die Adler Mannheim (Eishockey).

Wäre ich so reich wie "Vadder" Hopp, würde ich vermutlich entsprechende Beträge in den VfB stecken; aber leider ...
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Beitragvon Hulle » 17.01.2007 13:44

Dino hat geschrieben: M. W. steckt er auch noch einiges Geld in die Adler Mannheim (Eishockey).


Die BL-Handballer von Kronau-Östringen würden ohne ihn wohl auch noch in irgendwelchen niederen Klassen rumdümpeln, wenn ich das richtig weiß.

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Beitragvon Senf » 17.01.2007 16:06

InMemoriamWernerFuchs hat geschrieben:Andere Beispiele... Red-Bull Salzburg.
Übrigens steht Red-Bull kurz vor einem Einstieg bei den Chemikern aus Leutsch. Klasse Sache!

Das wird vom DfB (nebst der Fanszene) abgelehnt. Ergo dürfte Einstieg (50mio €uro über 10 Jahre) doch nicht so konkret sein wie anfangs befürchtet. Auch ein RB Leipzig (man erinnere sich an den LR Ahlen der jetzt RW heißt) gilt als nicht mehr ganz so realistisch. Natürlich könnte das Unternehmen jetzt argumentieren, dass ein Bayer Leverkusen in der Bundesliga kickt.... Die Argumentationslinie mit der Gründung als B.L. dürfte RB mit einer Gründung und Nachfolgender Fusion mit Chemie evt. umgehen können.

Gefährlich finde ich diese heimlichen Übernahmen in Verbindung mit der Ligenzusammenlegung in der dritthöchsten Klasse. Man Stelle sich vor 14 Amateurvereine und 4 fixe Aufsteiger, somit bliebe ein Etablishment von 40 Clubs unter sich und ein Verein aus der vierten Klasse hätte nur noch die Chance durch einen sehr potenten Mäzen/riesigem Unternehmen nach oben zu kommen. Das könnte zu US Zuständen führen.

BTW: Es ist irgendwie symptomatisch dass beim Hallenkick in der Mannheimer SAP-Arena der Lokalmaterdor nicht eingeladen worden ist.
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Beitragvon cody » 17.01.2007 16:56

ohne dem abramowitsch sein engagement schönreden zu wollen, aber die grundunterscheidung des sports (gewinnen/verlieren) bleibt bei ihm immerhin noch gewahrt. bei glazer dagegen...

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Beitragvon Bückeburger » 17.01.2007 17:49

Dino hat geschrieben:
Wäre ich so reich wie "Vadder" Hopp, würde ich vermutlich entsprechende Beträge in den VfB stecken; aber leider ...


Mit Sicherheit würdest Du das tun.Bin ich mir ziemlich sicher.Würde ich aber nicht anders machen

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Beitragvon Bückeburger » 17.01.2007 17:49

Hulle hat geschrieben:
Dino hat geschrieben: M. W. steckt er auch noch einiges Geld in die Adler Mannheim (Eishockey).


Die BL-Handballer von Kronau-Östringen würden ohne ihn wohl auch noch in irgendwelchen niederen Klassen rumdümpeln, wenn ich das richtig weiß.


Korrekt.Die sponsort er auch

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Südschwede
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Beitragvon Südschwede » 17.01.2007 19:04

Ich kann mir durchaus vorstellen das so mancher der genannten Vereine neben einem Dasein als Spielzeug für reiche Mäzen und Marketingmaschine (wie bei Salzburg) durchaus auch als Investment mit Renditeaussichten gesehen wird. Im Erfolgsfall schön für den Investor, aber sch***e für den Sport. Die Wettbewerbsverzerrung durch russische Millionen im europäischen Fußball wird irgendwann dazu führen das sich weitere deutsche Klubs genötigt sehen auf Pump Spieler zu kaufen, in der Hoffnung auf den großen CL-Jackpot. Die Renditeaussichten von Abramovic, Glazer und Co. siehen da besser aus. Und man Ende wird Gazprom für einen symbolischen Euro und Übernahme der astronomischen Schulden Borussia Dortmund ganz übernehmen. :lol:

Das Ausrufezeichen hinter den namen Eggert Magnusson und Björgolfur Gudmundsson verstehe ich allerdings nicht ganz. Wieso soll es keine reichen und einflußreichen Isländer geben? Magnusson hat als Funktionär jede Menge Erfahrung im Geschäft und Gudmundsson hat im Ausland seine Kohle gemacht, ist dann zurück nach Island gekommen und dort Anteile der isl. Landesbank gekauft. Diese ist seit einigen Jahren auch Namenspatron der isländ. ersten Liga namens Landsbankadeild.

Zum Abschöpfen der Gewinne bei den Chicago Bulls würde ich gerne mal einen weiterführenden Link lesen, denn einerseits finde ich den Gedanken sehr interessant, aber andererseits kann ich mir auch nicht vorstellen, daß sich diese Maßnahme wirklich auszahlt. Denn mit dem Nichterrreichen der Play Offs dürften den Chicago Bulls erhebliche Einnahmen aus Eintritts- und Fernsehgeldern fehlen. Ob man ein United Center mit über 22.000 Plätzen immer noch füllen kann und ob die Preise da nicht auch zwangsweise einbrechen müssen, würde mich ebenso mal interessieren. Ich glaube eigentlich nicht dass bei den Bulls bewußt versucht wurde, für ein paar Jahre auf Sparflamme die Gewinne einzusacken. Der Weggang bzw. das Karriereende von Jordan, Pippen, Rodnam und natürlich vor allem dem von Trainergenie Phil Jackson hätte wohl jedem NBA-Verein das Genick gebrochen.
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Beitragvon ewigfan » 17.01.2007 20:49

Hulle hat geschrieben:
Dino hat geschrieben: M. W. steckt er auch noch einiges Geld in die Adler Mannheim (Eishockey).


Die BL-Handballer von Kronau-Östringen würden ohne ihn wohl auch noch in irgendwelchen niederen Klassen rumdümpeln, wenn ich das richtig weiß.


bei hopp sehe ich das differenzierter, als bei den oligarchen, die sich die premier league aufteilen!
1. hat er in seiner heimat region den sport gefördert
2. hat er nicht funktionierende einheiten mit geld übernommen, sondern in dorfvereine investiert ( bzw. mit mannheim in einen abstiegsbedrohten eishockey club ), um was neues aufzuziehen.
3. ist er ein netter typ ( zumindest war er das anfang der 90èr und ich glaube nicht, dass sich das grundlegend geändert hat )
ewig währt am längsten!

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Beitragvon Dino » 18.01.2007 07:51

Südschwede hat geschrieben: Ich glaube eigentlich nicht dass bei den Bulls bewußt versucht wurde, für ein paar Jahre auf Sparflamme die Gewinne einzusacken. Der Weggang bzw. das Karriereende von Jordan, Pippen, Rodnam und natürlich vor allem dem von Trainergenie Phil Jackson hätte wohl jedem NBA-Verein das Genick gebrochen.


Also ich habe in den späten 90ern beruflich öfters in Chicago zu tun gehabt und (über Firmenkontakte) auch einige Spiele der damals noch überragenden Bulls gesehen.
So, wie ich es dargestellt habe, wurde es von den Basketballfreaks in meinem damaligen beruflichen Umfeld geschildert; eine Darstellung, die auch der örtlichen Presse so ähnlich zu entnehmen war.
Und Fakt ist: Die Bulls-Eigner haben damals einen sehr krassen Einspar- und Verjüngungskurs gefahren und ihre wirtschaftlichen Möglichkeiten nicht dazu genutzt,den sicherlich anstehenden Umbruch auf einem höherem Niveau zu bewerkstelligen.
Und die Bulls-Eigner waren/sind eindeutig Geschäftsleute, allenfalls in zweiter Linie auch ein Stück weit Sportfreaks.
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Beitragvon Südschwede » 18.01.2007 08:39

Okay, das reicht mir als Untermauerung deiner These. ;)
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Beitragvon Friese » 18.01.2007 19:57

Dino hat geschrieben:
Südschwede hat geschrieben: Ich glaube eigentlich nicht dass bei den Bulls bewußt versucht wurde, für ein paar Jahre auf Sparflamme die Gewinne einzusacken. Der Weggang bzw. das Karriereende von Jordan, Pippen, Rodnam und natürlich vor allem dem von Trainergenie Phil Jackson hätte wohl jedem NBA-Verein das Genick gebrochen.


Also ich habe in den späten 90ern beruflich öfters in Chicago zu tun gehabt und (über Firmenkontakte) auch einige Spiele der damals noch überragenden Bulls gesehen.
So, wie ich es dargestellt habe, wurde es von den Basketballfreaks in meinem damaligen beruflichen Umfeld geschildert; eine Darstellung, die auch der örtlichen Presse so ähnlich zu entnehmen war.
Und Fakt ist: Die Bulls-Eigner haben damals einen sehr krassen Einspar- und Verjüngungskurs gefahren und ihre wirtschaftlichen Möglichkeiten nicht dazu genutzt,den sicherlich anstehenden Umbruch auf einem höherem Niveau zu bewerkstelligen.
Und die Bulls-Eigner waren/sind eindeutig Geschäftsleute, allenfalls in zweiter Linie auch ein Stück weit Sportfreaks.



Also, ich habe da noch in Bockhorn gewohnt...!Spass beiseite, ich schliesse mich Dino ohne "wenn und aber" an! Das Geld wurde damals nicht in "Superstars" re-investiert sondern tatsächlich fand ein "Umbruch" mit No-names respektive Rookies statt...

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Beitragvon rookie » 29.01.2007 12:59

Interessanter Artikel

Adidas gegen Gasprom

Von Winand von Petersdorff

Der neue Großfinanzier von Schalke 04: Gasprom
28. Januar 2007
Es hat keinen Zweck, sich über die Kommerzialisierung und Vermarktung des Fußballs aufzuregen. Es wäre ohne Wirkung und vermutlich inkonsequent. Jeder Freund des Fußballs freut sich, wenn sein Club die Millionen aufbringen kann, um jene Topspieler zu kaufen, die den Unterschied machen. Die Millionenbeträge aber können nur jene Vereine aufbringen, die sich selbst am besten verkaufen. Längst reicht es nicht mehr, einfach guten Fußball zu spielen.

Geld schießt keine Tore? Unsinn. Der deutsche Krösus Bayern München, an dem der Sportartikelhersteller Adidas beteiligt ist, beherrscht seit einem Jahrzehnt die Liga und kauft seinen Wettbewerbern mit Vorliebe gute Spieler weg. Erst jetzt könnten sich die Zeiten ändern, wenn Gasprom als Großfinanzier von Schalke 04 den Einkäufern der Knappen neue finanzielle Möglichkeiten verschafft. Ein russischer Konzern von Putins Gnaden bezahlt brasilianische Stars am Standort Gelsenkirchen.

Fußball kann schön sein - wenn man kein Fan ist

Dabei ist die deutsche Bundesliga Provinz im Vergleich zu dem, was sich in der britischen Liga zurzeit abspielt. Chelsea, der Club des russischen Oligarchen Roman Abramowitsch, ist so sehr mit Stars gespickt, dass sich schon Erholungseffekte einstellen. Natürlich spielt der Club ganz oben mit, auch wenn er diesmal die Meisterschaft vermutlich Manchester United überlassen muss.

Dieser Verein ist in den Genuss eines besonderen Ereignisses gekommen: Er hat eine feindliche Übernahme über sich ergehen lassen dürfen und gehört mehrheitlich einem amerikanischen Unterhaltungskonzern, der als eine der ersten Amtshandlungen erst einmal die Ticketpreise erhöht. So schön kann Fußball sein, wenn man kein Fan ist, mag sich mancher Aktionär denken.

„Wir sind eine Unterhaltungs- und Sportholding“

Die jüngste Nachricht aus der Welt des Fußballs kommt aus Frankreich, wo sich der Serienmeister Olympique Lyon an die Börse begibt. Vom Chef des Clubs, der einer besten Europas ist, kommt der bemerkenswerte Satz: „Wir sind kein Fußballverein, sondern eine Unterhaltungs- und Sportholding.“ Die Marke OL ist bereits heute breit aufgestellt: Es gibt einen TV-Spartensender, Restaurants, OL-Taxis und OL-Friseure, eine Reiseagentur und einen Veranstalter, sogar eine OL-Fahrschule.

Die Verteidiger der Kommerzialisierung des Fußballs hatten immer das bestechende Argument, dass Clubs nur dann erfolgreich sind, wenn sie guten Fußball spielen. Sonst ist auch die Marke nichts wert und der Schal in Clubfarben ein Exponat für Grabbeltische.

David Beckham nur als Werbeikone unverzichtbar

Stimmt das noch? In der Regel ja. Doch einzelne Spieler sind, um es positiv auszudrücken, dem Sport längst entwachsen. David Beckham spielt schon lange schlecht, wird aber trotzdem gekauft, weil er als Werbeikone unverzichtbar ist. Nie verstummt sind die Gerüchte, dass der Sportartikelhersteller Nike bei der vorvorletzten Weltmeisterschaft den indisponierten und angeschlagenen Superstar Ronaldo aufstellte.

Es ist Zeit für eine Warnung an die Fußball-Unternehmen. Alles machen die Fans nicht mit. In Manchester hat eine Gruppe von United-Fans eine Vereinigung gegründet, die sich gegen die Übernahme ihres Clubs durch den amerikanischen Konzern wendet. Sie hat inzwischen mehr als 6000 Mitglieder, unterstützt einen Club der zehnten Liga und genießt Kultstatus in der weltweiten Fangemeinde.

Aufpassen sollten auch deutsche Club, die ihren Stadien die Namen ihrer Sponsoren geben und Geld dafür einkassieren Die Hamburger AOL-Arena sucht einen neuen Finanzier und wird dann wieder umgetauft. Dabei lautet doch der schönste Name: Volksparkstadion.


Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 28.01.2007, Nr. 4 / Seite 34
Tiocfaidh Ár Lá

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Dino
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Beitragvon Dino » 30.01.2007 14:18

Vielleicht schon heute werden wir erfahren, ob beim Geld (sehr viel Geld) nicht nur , wie allgemein bekannt, die Gemütlichkeit aufhört, sondern vielleicht auch die Vertragstreue, jedenfalls beim DFB.
Im August 2006 haben der DFB und die Firma Adidas einen Kompromiss geschlossen, um den sogenannten Schuhkrieg mit diversen Nationalspielern beenden zu können. Der DFB war gegenüber Adidas vertraglich verpflichtet für alle seinen Auswahlmannschaften nicht nur Sportkleidung von Adidas vorzuschreiben, sondern auch Fußballschuhe mit den drei Streifen. Die Nationalspieler, z. Teil mit Privatverträgen anderer Hersteller ausgestattet, wollten auch in der Nationalmannschaft mit Schuhen ihrer Vertragspartner auflaufen dürfen. Die Adidas-Schuhe drückten, weniger wohl am Fuß, als eher aufs Portmemomaie.
DFB und Adidas einigten sich: Freie Schuhwahl und ansonsten Verlängerung des mit 11 Mio. € pro Jahr dotierten Vertrags bis mindestens 2014. So gab es der DFB selbst auch offiziell und öffentlich bekannt.

Und dann, Ende Oktober das Angebot von Nike: 50 Millionen € pro Jahr (Bedingungen/Gegenleistungen nicht wirklich bekannt).

Und nun, hin- und hergerissen zwischen bürgerlicher Vertragstreue und der Aussicht auf eine gewaltige Mehrung seines Reichtums schwankt der DFB. Kommt man aus dem Vertragsverhältnis mit Adidas noch heraus, nachdem man ja Konzession von Adidasdie freie Schuhwahl auch schon bei zumindest zwei Länderspielen (Slovakei, Zypern) in Anspruch genommen hat. Oder kann man bei Adidas vielleicht mit dem Nike-Angebot in der Hinterhand mehr Geld lockermachen? Die Differenz zwischen 11 und 50 Millionen ist ja nicht gerade wenig.
Heute Spitzen- und Krisentreffen DFB/Adidas in Frankfurt; man darf gespannt sein.
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Beitragvon Dino » 31.01.2007 11:57

Der DFB sieht sich ab 2011 als nicht mehr vertraglich an Adidas gebunden, obwohl er mit Adidas eine Vereinbarung, freie Schuhwahl gegen Vertragsverlängerung, getroffen hat.

Auf seiner HP hat der DFB das wie folgt gemeldet:

Vertrag mit adidas wird verlängert – freie Schuhwahl vereinbart
31.08.2006 15:54:00

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) und sein langjähriger Partner und Sportartikel Ausrüster „adidas“ haben beschlossen, den bestehenden Vertrag bis mindestens 2014 zu verlängern. Die Verhandlungen über die Details werden zügig abgeschlossen.


Jetzt kommt man mit einem Rechtsgutachten, wonach der eine Vereinbarung zur Verlängerung des Vertrags mit Adidas doch (noch) nicht zustande gekommen sei.

Gibt es dann auch bis Ende 2010 keine freie Schuhwahl für die Nationalspieler? Da werden sich einige Spieler aber "freuen", die inzwischen schöne Privatverträge über ihr Schuhwerk (abgeschlossen) haben.
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Beitragvon Felissilvestris » 31.01.2007 12:03

Soll adidas doch einfach ein bisserl Geld drauf legen und der DFB spielt weiter mit den drei Streifen.
Im Vergleich zu ähnlichen Verbänden bekommt der DFB nämlich von adidas lächerlich wenig, was unter anderem damit zu tun hat, dass adidas eine unheimliche Lobby im und um dem DFB hat.
Im Übrigen schreiben andere Ausrüster das Schuhwerk ebenfalls nicht vor. Man schaue sich da mal an, wie das in Brasilien und in den USA geregelt wird.

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Beitragvon Dino » 31.01.2007 13:44

Vor schier undenkbar langer Zeit gab es einmal so etwas wie Anstand und Vertragstreue. Da stand man sogar zu seinem gegebenen Wort.

Unglaublich, wo wir doch alle wissen, dass nur Geld was zählt. Aber irgendwie auch rührend ... :?
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Beitragvon Felissilvestris » 31.01.2007 13:50

Dino hat geschrieben:Vor schier undenkbar langer Zeit gab es einmal so etwas wie Anstand und Vertragstreue. Da stand man sogar zu seinem gegebenen Wort.

Unglaublich, wo wir doch alle wissen, dass nur Geld was zählt. Aber irgendwie auch rührend ... :?



Es geht dabei um ein knallhartes Geschäft und um einige Millionen Euro! Adidas war bisher previligiert im Vergleich zu anderen Wettbewern, was die Verträge mit dem DFB angeht. Jetzt bekommen sie das volle Breitseite zurück....

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Beitragvon Dino » 31.01.2007 14:06

Auch in den "knallhärtesten" Geschäften gibt es verbindliche Regeln, die nicht dadurch außer Kraft gesetzt werden, dass man anderweitig vorteilhafter bedient werden kann.

Der DFB wurde von Adidas nicht gezwungen, seine Ausrüsterverträge mit dieser Firma abzuschließen.

Vielleicht schafft er es auch, sich aus seiner Vertragspflicht hinauszuwinden, mit Tricks, mit Geld, mit wasweißich.
Danach wird man die Herren Zwanziger Co. allerdings nicht mehr als Ehrenmänner betrachten können.

Um nicht mißverstanden zu werden: Mir ist es völlig Schnuppe, mit welchem Sportartikelkonzern der DFB Ausrüster- und Werbeverträge schließt. Ich bin nur so altbacken, dass ich es für selbstverständlich halte, geschlossene Verträge auch zu erfüllen, erst Recht, wenn der Vertragspartner seine Gegenleistung, die "Schuhfreiheit" in der Nationalmannschaft korrekt erbracht hat. Sicher nicht ganz zeitgeistig, so was.


Und zu dieser Art Nike-Verträgen:
Die Nebenbedingungen wären schon von Interesse. Man weiß, dass Nike bei ähnlichen Verträgen durchaus Einfluss darauf nimmt, wo und gegen wen der Vertragspartner Länderspiele austrägt. Das geht sogar so weit, Freundschaftsspiele in Drittländer zu legen.
Unvergessen auch der Einsatz des offensichtlich schwer unter Medikamentenwirkung stehenden und völlig indisponierten Ronaldo im WM-Endspiel 1998 gegen Frankreich. Nur so nebenbei: Brasilien war schon damals Nike-Vertragspartner. Die Gerüchte, Nike habe seinen Einsatz im Endspiel erzwungen, der Brasilien womöglich den Sieg gekostet hat, bleiben sicher unbeweisbar.
Eine Erklärung für den Einsatz Ronaldos bis zum bitteren Ende hat es aber nie gegeben.

Auch ein "knallhartes Geschäft"?
Auf jeden Fall sind es "knallharte Geschäfte" dieser Art, die die Substanz des Fußballs angeifen. Denn die liegt immer noch im (von mir aus "knallharten") Sport.
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